Nevşehir / Kappadokien
Nevşehir ist die Partnerstadt von Pforzheim. Nevşehir ist nicht nur eine Stadt, sondern zugleich eine Region in der wunderschönen Vulkanlandschaft Kappadokiens. Nevşehir ist mit knapp 120.000 Einwohnern (2020) etwa so groß wie Pforzheim.

Wirtschaft und Industrie in Kappadokien
Landwirtschaft
In Kappadokien, das rd. 1000 m hoch liegt, gedeihen überwiegend Kartoffeln, Wein und Aprikosen, teilweise auch Mandeln und Granatäpfel. Kultiviert und in Gärten angelegt werden allerlei Obstbäume wie Quitten, Äpfel, Birnen, Aprikosen, Pflaumen oder auch Walnüsse und Maulbeeren. Als Nutz- und Bauholz ist die Pappel am verbreitesten in dieser Region. Auf den größeren Feldern wird oft Weizen angebaut, der von den Einheimischen meist zu Bulgur, gröberen Weizengries, verarbeitet wird. In den kleinen parzellierten Gemüsegärten gedeihen vor allem Kürbisse, Melonen, Bohnen, Kichererbsen, Zwiebeln, Kartoffeln und Tomaten neben Blattgemüse, Minze und anderen Gartenkräutern.
Kappadokien eignet sich auch hervorragend zum Anbau von Weintrauben, da die poröse Tufferde die wenigen Niederschläge hervorragend zu speichern vermag. Kappadokien hat als Weinbaugebiet eine sehr lange Tradition. Die klimatischen Bedingungen, kontinentales Klima mit trockenen Sommern und kalten Wintern, und die Vulkanascheböden bringen sehr gute Weine hervor. In unterirdischen, in den Felsen gehauenen Höhlen sind ideale Bedingungen für eine Reifung des Weines gegeben. Einige der besten Weine der Türkei stammen aus Kappadokien. Öküzgözü z.B. ist eine ursprüngliche, rote Traubensorte aus der Türkei. Die großen runden Weintrauben geben dieser Sorte ihren Namen – Öküzgözü bedeutet Ochsenauge. Weine dieser Traube schmecken nach Kirschen und Himbeeren und sind fruchtig-frisch. Die bekanntesten Keltereien aus der Gegend Kappadokiens sind die Familienbetriebe Turasan in Ürgüp und Kocabağ in Uçhisar.
Handwerk
Wenn man in Kappadokien Urlaub macht, sollte man sich auch auf jeden Fall Avanos anschauen. Der Ort liegt am Roten Fluss und ist besonders für sein Töpferhandwerk bekannt. Auch Teppich–Knüpfarbeit ist sehr verbreitet und so ist Avanos auch bekannt für große Ausbildungszentren in diesem Handwerk.
Tourismus
Der Tourismus ist heute die primäre Einkommensquelle der kappadokischen Bevölkerung. Etwa 3 Millionen Touristen aus aller Welt besuchen jährlich das Open-air Museum in Göreme, seit 1985 gehört es zum Weltkulturerbe der UNESCO. Als Haupteinkunftsquelle prägt der Tourismus die zentralen Ortschaften Kappadokiens -Ürgüp, Üchisar, Göreme – vor allem in den Sommermonaten. Erst Mitte der 1980 Jahre kam es zu dem eigentlichen Aufschwung, der das traditionelle Bauerntum in Göreme zunehmend zu Gunsten eines sich stets weiter entwickelnden Fremdenverkehrs ablöste. Waren es 1983 gerade mal drei Pensionen, in denen man in Göreme ein Zimmer mieten konnte, sind es heute etwa deren achtzig, und es gibt daneben eine kaum mehr überblickbare Anzahl von Restaurants, Bars, Reisebüros, Souvenirgeschäften und Campingplätzen. Göreme hat sich Jahrzehnten zu einem Massentourismus-Zentrum entwickelt. Zu einer Reise in die Vulkanlandschaft Kappadokien mit den Höhlenstädten, Festungen und Kirchen gehört natürlich eine Übernachtung in einem Höhlenhotel dazu. Die Zimmer der Höhlenhotels wurden wie die jahrtausendealten Höhlenwohnungen in den weichen Sandstein Kappadokiens gehauen. Es gibt viele Sehenswürdigkeiten und Sportmöglichkeiten für Kappadokienreisende, wie Wandern, Radfahren, Reiten oder Quad-Fahren. Auch Skifahren ist im Winter möglich. Das Skigebiet am 3.917 m hohen Vulkan Erciyes Dagi nahe Kayseri gehört zu den größten in der Türkei. Es ist der Grund, weshalb auch im Winter viele Reisende Kappadokien besuchen.
Kappadokien zählt zu den weltweit bedeutsamsten Locations für Heißluftballonfahrten. In den frühen Morgenstunden, wenn die Wetterverhältnisse am günstigsten sind und die Thermik optimal ist, fliegen die Heißluftballons in Göreme ab. Täglich steigen dann zu Sonnenaufgang bis zu 150 Heißluftballons gleichzeitig auf: Ein einmaliges Erlebnis mit einem faszinierenden Ausblick auf Kappadokien und die Gelegenheit, aus der Vogelperspektive den Sonnenaufgang an einem Tag mehrmals zu sehen! Insbesondere die Feenkamine, aus Tuffstein bestehenden Erdpyramiden, stoßen in der Region Nevşehir auf großes Interesse der Urlaubsgäste.
Industrie
Interessant ist die industrielle Entwicklung in Kappadokien/Zentralanatolien. Nevşehir ist, wie erwähnt, hauptsächlich durch den Tourismus geprägt. Während hier vorwiegend kleinere Handwerksbetriebe vorzufinden sind, sind die Industriebetriebe in der Provinz Aksaray, ca. 60 km von Nevşehir entfernt, konzentriert. Verschiedene Industriezweige wie Salzindustrie, Textilindustrie, Maschinen– und Autozubehörindustrie sind hier ansässig.
Der größte industrielle Arbeitgeber für die Menschen im Raum Kappadokien ist das Lastkraftwagenwerk Mercedes-Benz in der Stadt Aksaray. Wir hatten bei unserer Reise die einmalige Möglichkeit, an einer exklusiv für uns organisierten ca. 3-stündigen Werksbesichtigung teilzunehmen. Dies verdankten wir unserem DTG-Vorstandsmitglied Levent Bicer (dritter von rechts auf dem Foto), der von 2007 – 2012 als Ingenieur bei Mercedes-Benz Türk arbeitete und den Geschäftsführer gut kannte.

Die Delegation der DTG aus Pforzheim nach ihrer Werksbesichtigung
Das Mercedes-Benz Türk Aksaray Truck Werk produziert seit mehr als 30 Jahren Lkw und Abschleppwagen in der Region Zentralanatolien. Seit 1986 wurden mehr als 300.000 Lkw im Werk hergestellt . Mit mehr als 1.800 Beschäftigten werden hier mittlere und schwere Nutzfahrzeuge über 6t, Sattelzugmaschinen und Baufahrzeuge produziert. Das Aksaray Werk bedeckt aktuell eine Fläche von 140.000 m² auf einer Gesamtfläche von 690.000 m². Die Produktqualität wird durch die mit modernen Schweißrobotern ausgestattete Body Linie, die Kataphorese und die Lackiererei gewährleistet. Da die vorgegebenen Qualitätsstandards und die anzuwendenden Produktionsprozesse und -systeme mit denen in Wörth identisch sind, ist eine Unterscheidung der Fahrzeuge hinsichtlich Herstellungort und Produktqualität nicht möglich. Die Fahrzeuge werden im Inland verkauft und auch in mehr als 70 Länder in Zentral-und Osteuropa exportiert. 2017 hat das Werk 4.690 Lkw exportiert, durchbrach den historischen Exportrekord und erhöhte damit die Gesamtzahl von 37.000 Einheiten. Neben Wörth und Brasilien ist das Mercedes Werk in Aksaray im Produktionsverbund von Daimler Truck der wichtigste, drittgrößte LKW-Produzent von Daimler. Im Mai 2017 wurde das Entwicklungszentrum (R&D-Zentrum ) der Mercedes-Benz Türk innerhalb des Aksaray Truck Werks mit einer zusätzlichen Investition von 8,4 Mio. Euro gegründet. Die gebauten Lkw, auch alle in Wörth hergestellten Tryoutfahrzeuge, werden bei realen Straßenbedingungen auf Straßendauerläufen in der Türkei in diesem Entwicklungszentrum getestet und freigegeben. Neben diesen Fahrversuchen werden verschiedene Prüfstandstests hinsichtlich Funktion, Dauer- und Betriebsfestigkeit in diesem Kompetenzcenter durchgeführt, d.h. die qualifizierten türkischen Ingenieure exportieren ihre Ingenieursdienstleistungen aus diesem Zentrum zur Daimler AG nach Deutschland und in die ganze Welt .
Das Mercedes-Benz Türk Aksaray Werk, welches das größte Industrieunternehmen in diesem Gebiet ist, hat bisher 414 Mio. Euro investiert und setzt weiterhin seinen Beitrag für die wirtschaftliche Entwicklung der Türkei mit neuen Investitionen und Beschäftigungsangebot fort.
Avanos
Töpferhauptstadt von Nevşehir / Avanos
Avanos liegt etwa 15 km nordöstlich der Provinzhauptsatdt Nevşehir am Kizilirmak, dem längsten Fluß der Türkei. Die Stadt ist bekannt durch seine zahlreichen traditionsreichen Töpfereien und Ziegelein.
Etwa 300 Betriebe sind in Avanos mit der Töpferei beschäftigt. Seit der hethitischen Zeit, die bis ins Jahr 2000 v.Chr. zurückgeht, wird in dieser Region Keramik, die in der ganzen Türkei bekannt ist, hergestellt, und zwar immer noch mit altmodischen Techniken.
Die Tonerde wird aus dem Kizilirmak (Roter Fluß) und den umliegenden Hügeln gewonnen und ist ideal für die Herstellung von Töpferwaren. Weiche und fettige Lehmböden werden gesiebt und in Schlamm umgewandelt, der dann in Einrichtungen geformt wird. Es wird zweimal getocknet, einmal in der Sonne und einmal im Schatten. Nach einer Woche Ruhezeit wird dieser Teig mit einem Rad oder einer Form geformt. Der Töpfer legt den Teig auf die Scheibe. Das Rad kann sich dann schnell drehen, wenn die Füße der Person auf die Unterseite des Rades auftreffen. Nach Bemalung und Polierung des gesamten Topfes wird er in der Sonne trocknen gelassen und anschließend für ein bis drei Tage bei 800 grad im Ofen gebacken.
Die Töpferei ist das traditionelle und am meisten ausgeübte Handwerk in der Region. Die Einwohner der Stadt Avanos leben primär vom Tourismus und verdienen ihr Geld vor allem durch Herstellung und Verkauf von Töpfen und anderen handwerklichen Künsten. Der Beruf des Töpfers in Avanos wird seit Generationen vom Vater auf den Sohn übertragen.
Einer der ältesten und bekanntesten Meister des Töpferhandwerks ist Galip Körükcü, bei dem die Reisegruppe der DTG eine Vorführung erleben und die Ausstellung besuchen konnte. Wir hatten die Möglichkeit, auch selbst an der Drehscheibe aktiv zu werden. Diese Gelegenheit hat sich Gönül Ekşi natürlich nicht entgehen lassen, wie auf dem Bild gut erkennbar wird.

Kappadokien mit Besuch der Töpferhauptstadt von Nevşehir, Avanos, ist immer eine Reise wert!
