Wie flüssiger Pudding – 01/2025

Nichtalkoholische und alkoholische Getränke wie „Cay“ (schwarzer Tee), der türkische „Mokka“ oder der „Raki“ genannte Anisschnaps sind in Deutschland bekannt. Im Winter werden aber in der Türkei die im Ausland weniger bekannten Getränke „Sahlep“ und „Boza“ getrunken. „Sahlep“ ist ein heiß serviertes Milchgetränk aus Sahlep-Pulver. Im Original wird es aus Wurzelknollen verschiedener Orchideenarten gewonnen. Die getrockneten Wurzeln werden zu Pulver zermahlen und in Lebensmitteln wie Pudding, Milch und Eis als Verdickungsmittel eingesetzt.
Für die Zubereitung braucht man fünf Zutaten: Milch, Speisestärke, Zucker, Vanille und Zimt. Alle Zutaten außer Zimt werden in einen Topf gegeben, klumpenfrei verrührt und anschließend auf dem Herd unter ständigem Rühren zum Kochen gebracht, bis das Ganze schön eindickt. Das „Sahlep“ wird nun in Tassen umgefüllt, mit Zimt bestreut und heiß getrunken. Es schmeckt wie warmer, flüssiger Pudding. „Boza“ besteht aus leicht fermentiertem Weizen, Mais oder Hirse. Es ist ein süß-saures Getränk mit circa einem Prozent Alkohol, etwas zwischen Kefir und Bier. Es wird oft mit einem Löffel unter Zugabe einer Prise Zimt und Leblebi (gerösteten Kichererbsen-bohnen) gegessen. „Boza“ wird besonders in den Wintermonaten konsumiert, da es durch seine probiotischen Inhaltsstoffe das Verdauungssystem unterstützt.
Levent Bicer für die Deutsch Türkische Gesellschaft, Pforzheimer Zeitung vom 24.12.2024
Die Türkei und Europa: Ein besonderes Verhältnis – 05/2025

PFORZHEIM. Im Rahmen der Europawoche hat Gökay Sofuoglu die „Europäisch-Türkischen Beziehungen“ im Gemeindesaal der Thomaskirche beleuchtet.
„Der Referent ist seit 1999 Landesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg und seit 2014 Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland“, so die Vorsitzende der Deutsch-Türkischen Gesellschaft, Ursula Petrovic.
„Die historischen Beziehungen gehen weit zurück“, unterstrich Referent Sofuoglu, der die Türkei kulturell und geografisch bei Europa, aber auch bei Asien und auf dem Balkan sieht. „Die Türkei war nie demokratisch“, so der Referent, der 1980 aus politischen Gründen nach Deutschland auswanderte. Die Türkei habe sich bereits 1963 mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) schwergetan. Damals wurde mit der Türkei und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ein Assoziierungsabkommen geschlossen.
Immer wieder gab es Beitrittsversuche zur Europäischen Union. Die Türkei sei ein schwieriger Fall. Man könne aber auch nicht auf sie verzichten, verwies der Referent auf ihre aktuelle politische Rolle im Nahen Osten, aber auch auf das Flüchtlingsabkommen und die privilegierte Partnerschaft. Für einen EU-Beitritt müsse sich die Türkei demokratisch entwickeln und demokratische Strukturen, wie Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit haben. Eine Demokratie sei auch die Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung.
„Man kann sich in der Türkei nicht auf den Rechtsstaat verlassen“, betonte der Sozialpädagoge und rückte auch die Geschehnisse in Istanbul ins Blickfeld.
„Erdogan betrifft die Türken in der Türkei, aber wir leben hier mit unseren Kindern und Enkelkindern. Wir sollten uns auf das Leben in Deutschland fokussieren“, ermutigte Sofuoglu die Türkischstämmigen in Pforzheim sich politisch gegen die AfD einzubringen. Der 63-Jährige erinnerte auch an den Moscheebau mit Minarett in Pforzheim, was damals noch keine Selbstverständlichkeit gewesen sei. pz
Erschienen in der Pforzheimer Zeitung am 13.05.2025